Usingen von A-Z

 

24 Tonnen Kriegs-Material für saubere Energie aus dem Taunus entfernt

Erdfunkstation sorgt jetzt auch für Sonnenstrom: Als
interkommunales Projekt mit Vorzeigecharakter haben die
Städte Usingen und Neu-Anspach den Euskirchener
Solarspezialisten „F&S solar“ mit dem Bau von drei Freiland-
Photovoltaikanlagen beauftragt, die zusammen über 1700
Haushalte mit Ökostrom versorgen können – Riesige Mengen
Munition gefunden.


Usingen/Neu-Anspach – Wo bislang riesige Parabolantennen Signale
zwischen Erde und All austauschten, hat man jetzt auch der Sonne einen
guten Empfang beschert: Auf dem städtischen Gelände im Norden der
Erdfunkstelle Usingen ist ein Solarkraftwerk mit knapp 1.954,08
Kilowatt-Peak entstanden. Und noch zwei weitere Solarkraftwerke
produzieren ab sofort im Hochtaunuskreis sauberen Sonnenstrom: Auf
der angrenzenden Fläche der Stadt Neu-Anspach verrichtet ab sofort
eine Solaranlage mit 2489,52 Kilowatt Spitzenleistung ihren Dienst. Im
südlichen Teil der Erdfunkstelle wurde sowohl auf Usinger als auch auf
Neu-Anspacher Fläche eine weitere Anlage mit 1759,50 Kilowatt-Peak
Leistung gebaut.

Steffen Wernard, Bürgermeister der Stadt Usingen, und sein Amtskollege
Klaus Hoffmann aus der Stadt Neu-Anspach zeigten sich bei der
offiziellen Inbetriebnahme am vergangenen Dienstag hoch erfreut über
das einzigartige interkommunale Projekt. „Eigentlich wollten wir die
Anlagen selbst finanzieren und betreiben, aber durch die Änderungen
des Erneuerbaren Energien Gesetzes war uns das zu riskant,
Unternehmer haben da mehr Spielraum als Kommunen“, so der Neu-
Anspacher Stadtchef.

Verdienen werden die Städte aber trotzdem: Einerseits durch
Pachtzahlungen des Anlagenbetreibers, denn das bebaute Land gehört
den Städten, und andererseits durch die Steuereinnahmen. In dem
Euskirchener Solarspezialisten „F&S solar“ habe man einen
kompetenten Partner gefunden, der sich der schwierigen Sache
professionell angenommen habe. „Ein großes Ziel rechtfertigt einen
steinigen Weg“, brachte es Hoffmann auf den Punkt.

Denn die umweltfreundlichen Kraftwerke mussten auf im wahrsten Sinne
des Wortes explosivem Untergrund gebaut werden, wie Uwe Czypiorski,
Technischer Geschäftsführer von „F&S solar“, den zahlreichen
Pressevertretern berichtete: „Vor dem Bau musste erst einmal der
Kampfmittelräumdienst das Gelände von Munition aus dem Zweiten
Weltkrieg befreien, dort gab es nämlich früher einen Feldflugplatz mit
Munitionsbunkern.“ Es gebe spezielle Pläne zu solchen Gebieten:
Normalerweise seien diese grün mit einigen roten Störstellen, in denen
verdächtiges Material vergraben sei. Auf dem vorgesehenen Gelände
der Photovoltaik-Anlagen sei es leider umgekehrt gewesen: „Da war das
meiste rot mit einigen grünen Stellen!“

Ganze 24 Tonnen an altem Kriegs-Material kamen dabei wieder an die
Oberfläche, wie Czypiorski sagte: „Maschinengewehre, Pistolen, jede
Menge Munition, Granaten, ein komplettes Flak-Geschütz und vieles
mehr.“ Das Bau-Team von „F&S“ habe teilweise parallel gearbeitet – aus
Sicherheitsgründen aber immer mit mindestens 100 Metern Abstand
hinter dem Trupp der Kampfmittelräumer. Auf ein bestimmtes Signal hin
musste der Bautrupp das Gelände verlassen – dann sprengten die
Kampfmittelräumer wieder einige ihrer brisanten Funde direkt vor Ort.
Steffen Wernard: „Wir haben uns hinter verschlossenen Türen immer
wieder gefragt, ob die das überhaupt hinkriegen können, denn das war
ein sehr ehrgeiziges Projekt – aber sie haben das in Rekordzeit
geschafft.“

Czypiorski: „Sie können sich vorstellen, dass es auch nach der Räumung
eine Menge Vertrauen brauchte, um die Pfähle für die Solarmodule fast
zwei Meter tief in den Boden zu rammen.“ Doch die Mühe habe sich
gelohnt: Bei Vollleistung könnten die beiden Photovoltaik-
Freilandanlagen mehr als 15 Flutlicht-Anlagen wie in der Commerzbank-
Arena von Eintracht Frankfurt mit Ökostrom versorgen. Damit man deren
Übertragungen im Fernsehen bewundern kann, musste das Bau-Team
an der Erdfunkstelle sehr umsichtig beim Kabelverlegen sein: Denn auf
dem Gelände verlaufen zahlreiche Kabelstränge für TV-Übertragungen.
In beiden Parks sind insgesamt 183 Kilometer Modul-Kabel sowie 14,9
Kilometer Hauptleitung verlegt.

Wie der Technische Geschäftsführer den Gästen aus Politik, Verwaltung
und Wirtschaft berichtete, verrichten im Solarpark Usingen 8142
Solarmodule ihren Dienst und erzeugen jährlich annähernd zwei
Millionen Kilowatt-Stunden Strom im Jahr. Dadurch können gegenüber
Kohle-Verstromung mehr als 1300 Tonnen Kohlendioxid eingespart und
rechnerisch 551 Haushalte mit sauberem Sonnenstrom versorgt werden.

In Neu-Anspach sind im Norden 10373 Photovoltaikmodule installiert,
wodurch jährlich knapp 2,4 Millionen Kilowatt-Stunden Strom erzeugt
werden. Das erspart der Umwelt 1632 Tonnen Kohlendioxid und reicht
für 676 Haushalte. Für den dritten Park, der sich im Süden des Geländes
auf Usinger und Neu-Anspacher Gemarkung beider Städte befindet,
wurden weitere 6900 Module aufgestellt. Czypiorski: „Dadurch werden
mehr als 1200 Tonnen Kohlendioxid eingespart, der erzeugte Strom von
jährlich über 1700 Kilowattstunden kann weitere 511 Haushalte mit
Ökostrom versorgen.“

Auf dem Gelände der Erdfunkstelle ist damit die größte
Photovoltaikanlage im Hochtaunuskreis ans Netz gegangen. Mit
insgesamt 6,2 Megawatt-Peak beträgt ihre Leistung nahezu die Hälfte
dessen, was alle übrigen Solar-Anlagen des Kreises
zusammengenommen leisten. Czypiorski: „Dabei sind diese Prognosen
bewusst konservativ gerechnet, die tatsächliche Leistung unserer
Solarparks ist durch die Auswahl hochwertiger Module und aufgrund
eines besonderen Verfahrens bei Planung sowie Montage durch die
Bank höher.“ Günstig sei auch die Lage mit rund 400 Höhenmetern,
denn je weniger Luftschichten die Sonnenstrahlen durchdringen
müssten, desto weniger Verluste gebe es.


Unter den 28 Bewerbern der Ausschreibung ging der Solarprojektierer
„F&S solar“ wohl auch wegen seiner Referenzliste als Sieger hervor: Die
Euskirchener Firma hat die jeweils größte Freiland-Photovoltaikanlage
der Bundesländer Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und
Niedersachsen sowie das größte auf Bunkern errichtete Sonnenkraftwerk
Europas gebaut – und rund 1500 weitere Sonnenkraftwerke errichtet.

Usingen Reinking Hoffmann Wernard Czypiorski

Auf schwierigem Untergrund entstand die größte Photovoltaikanlage des
Hochtaunuskreises, die Dr. Joachim-Dietrich Reinking vom
Energieversorger Syna (v.l.), Klaus Hoffmann, Bürgermeister Neu-
Anspach, Steffen Wernard, Bürgermeister Usingen, und Uwe Czypiorski,
Technischer Geschäftsführer „F&S solar“, der Öffentlichkeit vorstellten.

Foto: Tameer Gunnar Eden/European Press Agency/epa

Module

Über 1700 Module installierte „F&S solar“ auf dem Gelände der
Erdfunkstelle. Das Gebiet gehört den Städten Usingen und Neu-
Anspach.

Foto: Tameer Gunnar Eden/European Press Agency/epa

Hoffmann
Respekt vor der schwierigen Umsetzung des Photovoltaik-Projektes
zollte Klaus Hoffmann, Bürgermeister von Neu-Anspach.

Wernard

Hoch zufrieden ist Steffen Wernard, Bürgermeister von Usingen, mit dem
interkommunalen Solarparkprojekt.

Foto: Tameer Gunnar Eden/European Press Agency/epa


Ansprechpartner:

Pressestelle „F&S solar“
Julia Köhnen (Assistentin der Geschäftsführung)
Phone: +49 2251 1482-202
E-Mail: :koehnen@fs-sun.de
Internet: www.fs-sun.de